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„Morden für Anfänger. Ratgeber für Krimischreiber und Krimileser" von Manfred Lukaschewski

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Jede Rezension sollte mit positiven Aspekten beginnen, und man muss diesen hier wirklich hervorheben: Es ist eine wunderbare Idee, einen Ratgeber für Krimiautoren zu verfassen, ihnen einen spannenden Blick hinter die Kulissen zu gewähren und den neugierigen Krimilesern vielleicht die häufigen Fehler in der Krimi-Literatur und im Fernsehen oder Kino aufzuzeigen. Tatsächlich gibt es sehr wenige Ratgeber dieser Art auf dem Markt, ein weiterer Pluspunkt ist zweifelsohne, dass der Autor dieses Sachbuches der erfahrene Kriminalist Dr. Manfred Lukaschewski ist. Doch gleich im Vorwort stellt der Autor klar: „Es war sicher nicht meine Idee, die nachfolgenden Zeilen zu Papier zu bringen.“ Man habe ihn bekniet (anscheinend sind damit Krimiautoren und Krimiautorinnen gemeint) zu helfen, „damit sie ihre Grausamkeiten authentisch darstellen können.“

Somit offenbart sich leider schon das erste Problem dieses Ratgebers: Es entsteht das Gefühl, Dr. Manfred Lukaschewski säße auf einem sehr hohen Ross und blicke auf die „Schreiberlinge“ (so nennt er Autoren und Autorinnen in diesem Buch) herab, während er ihnen seine Weisheiten offenbart. So kann leider kein Ratgeber funktionieren, denn man sollte sich auf einer Augenhöhe begegnen, damit der gut gemeinte Rat nicht wie eine Belehrung oder womöglich sogar als „sich lustig machen“ rüberkommt.

Das zweite Problem ist die schwache Strukturierung, so dass der Eindruck entsteht, der Autor habe sich bei der Arbeit nicht genügend mit dem Buch und dem Vorhaben auseinandergesetzt. Als Beispiel sind dabei die „Tipps“ von Tipp 1 bis Tipp 43 zu nennen, die keine wirklichen Tipps sind, sondern eher „Unterteilungen“ eines Kapitels. Da sie keine weiteren Überschriften tragen, ist es schwer bis unmöglich, dieses Buch als Nachschlagewerk zu gebrauchen.

Die wichtigen kriminalistischen Vorgänge werden häufig angedeutet, unterbrochen, wieder aufgenommen, einige Sachverhalte werden dabei nur am Rande erwähnt, und das ausgerechnet dann, wenn es wirklich interessant wird.
Ein Beispiel: Auf der Seite 120 berichtet Dr. Manfred Lukaschewski davon, wie er und ein Praktikant eine Festnahme vorbereiten sollten. Der Praktikant sollte in Begleitung von Dr. Lukaschewski die Festnahme durchführen, er klopft an der Tür des Festzunehmenden und als aufgemacht wird, wird auf die beiden Polizisten geschossen. Weiter steht im Buch: „Der Schuss verfehlte ihn (Anm.: den Praktikanten) glücklicherweise. Dennoch war er ab diesem Moment zu keiner Handlung mehr fähig, er war in eine Art Schockstarre verfallen. Dass der Schuss letztendlich mich am Oberschenkel getroffen hatte, weshalb ich meine Dienstwaffe gebrauchen musste, sei hier nur am Rande erwähnt. Die Festnahme erfolgte dennoch im weiteren Verlauf.“

Aha. Wie erfolgte denn die Festnahme im weiteren Verlauf? Wurde der Festzunehmende dabei getötet oder verletzt? Wurde die Verstärkung angefordert? Ein Krankenwagen (sicherlich)? Was für einen „Papierkram“ gab es nachher? Wie ging der Praktikant mit der Situation später um? Musste ein Psychologe für beide Polizisten hinzugezogen werden? Gab es eine interne Ermittlung, denn der Praktikant unterstand der Aufsicht von Dr. Lukaschewski und ganz offensichtlich wurden bei der Vorbereitung der Festnahme große Fehler begangen, der Festzunehmende wurde maßlos unterschätzt (laut Buch gab es keine Hinweise darauf, dass er gewalttätig ist und schießen würde) – was passierte also bei (und nach) der beschriebenen Situation genau?
Das erfährt man nicht.
Dieser Sachverhalt verdeutlicht vielleicht, warum dieses Buch als Ratgeber nur wenig taugt.

Fazit: Ja, das Buch bietet interessante Aspekte (Stichwort: rote Kristalle, die von den Nierensteinen übrigbleiben, wenn man versucht, eine Leiche in einer Säure aufzulösen), aber diese Schätze muss man als KrimiautorIn wie ein Goldwäscher mühsam zusammensuchen. Vieles in diesem Ratgeber ist auch einem „solchen ‚begriffsstutzigen‘ Menschen“, also einem „Krimischreiberling“, doch eher längt bekannt, wenn er wenigstens ein Minimum an Recherche betrieben hat. Wirklich wichtige und interessante Vorgänge bleiben dabei ungesagt.
Für einen Krimileser, der einen kleinen Blick hinter die Kulissen einer Krimiermittlung wagen möchte, ist es vielleicht dennoch eine interessante und amüsante Lektüre.

Olga A. Krouk

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