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„Helden, Helfer und Halunken: Perfekte Figuren für Ihren Roman“ von Isa Schikorsky.

heldenhelferhalunken

Das Grundthema dieses Ratgebers ist für einen lernwilligen Autor mehr als wichtig – immerhin kennt man aus der Literatur eine unglaubliche Anzahl von wichtigen Figuren, die für einen Roman unabdingbar sind. Genau zu untersuchen, wie man sie richtig entwirft, motiviert und mit Leben füllt, ist ohne Zweifel eine Bereicherung für jeden Autor. Doch es gibt relativ wenige Bücher, die sich mit der Charakterisierung der Figuren beschäftigen – meistens wird dieses Thema als einer der Unterpunkte eines Schreibratgebers abgehandelt. Umso erfreulicher ist es, ein Buch zu entdecken, das Figuren in den absoluten Mittelpunkt stellt.

Leider kann Isa Schikorsky mit ihrer Behandlung des Themas nicht wirklich überzeugen. Sicherlich können blutige Anfänger in diesem Ratgeber durchaus etwas lernen: Beispielsweise, was Protagonisten oder Antagonisten sind und welche Rollen sie im Roman erfüllen. Doch sobald man ein bisschen mehr über das Schreibhandwerk weiß, findet man hier wenig Neues. Einige Tipps erscheinen dabei mehr als gehaltlos. So schlägt die Autorin den so genannten „Würde er das wirklich tun?“-Test vor: „Immer, wenn Ihr Protagonist vor wichtigen Entscheidungen steht, sollten Sie die Testfrage stellen: Würde er das wirklich machen? [...]" Mehr nicht. Und so fragt man sich: Inwiefern sollte dieser Test helfen? Ein erfahrener Autor hat bestimmt schon ein gewisses Gespür für gut motivierte, logische Handlungen erlangt. Er braucht vermutlich keine expliziten „Würde er das wirklich tun?“-Fragen, um schwach motivierte Figuren zu erkennen. Ein Anfänger dagegen könnte auch in einer zweifelhaften Situation „Ja!“ rufen, weil der Drang, die Handlung weiterzubringen, einfach zu stark ist. Dass die Figur dabei nur deshalb so handelt, weil der Autor es so will und keinesfalls aus ihrem eigenen Antrieb heraus, übersieht man dabei zu leicht.

Der Ratgeber hat allerdings auch seine guten Momente. Zum Beispiel, als die Autorin über Motive für einen Mord schreibt: „Natürlich glaube ich, dass jeder Mensch zum Mörder werden kann, aber es überrascht mich doch immer wieder wie unbekümmert in manchen Krimis gemordet wird. [] Beispielsweise hingemeuchelt von einem Mann, der zwar psychisch gestört ist, aber nicht in dem Maße, dass er als eiskalter Serienmörder glaubwürdig erscheint.“ Tatsächlich lohnt es sich durchaus, sich als Krimiautor zu fragen, ob man mit einer psychischen Labilität alles erklären kann bzw. alles erklären lassen sollte. Zu abgenutzt, zu einfach könnte so eine Motivation wirken. Nichtsdestotrotz wirken die meisten Thesen des Ratgebers zu oberflächlich. Teilweise entsteht dadurch der Eindruck, die Autorin rät zu möglichst einfachen Figuren: „Nicht nur Kinder, auch viele Erwachsene schätzen einfache Charaktere in der Literatur, denn die wirken zuverlässig und vertraut. Es sind Figuren, die leicht wiederzuerkennen sind, deren Verhalten rasch zu begreifen ist und kaum Überraschungen bietet.“ Aber in diesem Fall bräuchte man wohl keinen Ratgeber zu so einem doch recht komplexen Thema.

Alles in allem kann man „Helden, Helfer und Halunken“ nicht guten Gewissens weiterempfehlen. Das Buch hat eine wunderbare Grundidee, doch die Umsetzung bleibt sehr an der Oberfläche, die Analysen wirken ungenau und die meisten Thesen bleiben mehr oder minder nichtssagend. Blutige Anfänger können sich die Grundlagen aus anderen Ratgebern aneignen, Autoren mit etwas mehr Erfahrung finden in diesem Buch leider kaum etwas, das sie weiterbringt.

Olga A. Krouk

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